So lassen sich alte Fliesenkleber-Reste entfernen

Werden Fliesen entfernt bzw. ersetzt, so ist die Arbeit mit dem Abnehmen der Fliesen allein noch lange nicht vollbracht. Hinter den Fliesen liegt für viele nämlich die eigentliche Herausforderung: Das vollständige Entfernen des Fliesenklebers!

Er ist zwar sehr hartnäckig, allerdings lässt sich Fliesenkleber mit den richtige gut ablösen. Am einfachsten funktioniert das mit einer Fräse bzw. Schleifmaschine und der passenden Diamantschleifscheibe. Welche Alternativen es sonst noch gibt und auf welche Aspekte Sie bei dieser Arbeit achten müssen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Das Entfernen und Abschleifen des Fliesenklebers von Estrich, Wand und Boden ist wichtig, weil neue Bodenbeläge als auch Abdichtungs- und Entkopplungsmatten etc. immer auf einem ebenen Untergrund verlegt werden müssen.

Achtung: Bei dem Ablösen des Fliesenklebers muss auch die Beschaffenheit des Untergrunds berücksichtigt werden. Bei festen Mauerwerk oder Beton müssen Sie bei gewissenhaften Arbeitsausführung nichts zu befürchten. Allerdings muss gerade bei Yong und Regips vorsichtig und ohne viel Druck gearbeitet werden. Da hier schnell Schäden entstehen können, sollten Sie diese Arbeit evtl. lieber einer Fachfirma übertragen.

Um das Problem mit dem Entfernen von Fliesenkleber von einer Wand oder dem Estrich möglichst gering zu halten, ist es sehr sinnvoll, bereits beim Abnehmen der Fliesen vorsichtig zu agieren. Werden Fliesen im Ganzen entfernt, so bleiben keine kleinen Rückstände der Fliesen an der Wand bzw. am Boden haften und Sie können sich ganz auf die Entfernung des Fliesenklebers konzentrieren.

Um welchen Fliesenkleber handelt es sich?

Um das richtige Werkzeug zum Ablösen bzw. Abschleifen zu finden, muss zuerst die Art des Fliesenklebers bestimmt werden. Zwar wird in 99 % der Privathaushalte ein Fliesenkleber auf Zementbasis verwendet, allerdings gibt es auch spezielle Kleber, welche an besonders anspruchsvollen Orten (z. B. Industrie, hohe Temperaturen, Kälte) zum Einsatz kommen.

  • Zementgebundener Fliesenkleber: Dabei handelt es sich um den typischen Fliesenkleber aus dem Baumarkt, der kurz vor dem Gebrauch entsprechend mit Wasser angerührt wird. Ein zementgebundener Kleber lässt sich nur mit passendem Werkzeug maschinell entfernen.

  • Reaktionsharzkleber: Ist vorwiegend im gewerblichen Raum anzutreffen und kann nur mit schweren Maschinen mit Diamantscheibe abgeschliffen werden. Gerade bei diesem Kleber ist professionelle Hilfe äußerst sinnvoll.

  • Dispersionskleber: ist vorwiegend im gewerblichen Raum anzutreffen und kann nur mit schweren Maschinen mit Diamantscheibe abgeschliffen werden. Gerade bei diesem Kleber ist professionelle Hilfe äußerst sinnvoll. Für das Ablösen dieses sehr selten vorkommenden Fliesenklebers reicht ein sogenanntes Abbeizmittel für Dispersionsfarben. Bei empfindlicheren Materialien (Sandstein, Regips,..) ist das Mittel allerdings nicht geeignet. In diesem Fall muss der Dispersionskleber extrem vorsichtig auf mechanische Weise abgelöst werden.
alte Fliesen werden entfernt

Hinweis: Nicht immer ist es zwingend notwendig, Fliesen zu entfernen, wenn ein neuer Fliesenbelag geplant ist. Wenn die Voraussetzungen stimmen, können Fliesen nämlich auch auf eine bereits vorhandene Fliesenoberfläche verlegt werden. Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in folgendem Artikel:


Das richtige Werkzeug für die Entfernung von Fliesenkleber?

Grundsätzlich stehen Ihnen zum Lösen der Kleberrückstände einige Optionen zur Verfügung:

  • Flex, Winkelschleifer, Bodenfräse bzw. Betonschleifer mit Diamantschleifscheibe
  • Bodenschleifmaschine
  • Bohrhammer mit Meißelaufsatz
  • Hammer und Meißel + Spachtel

Welches Werkzeug Sie für die Entfernung von Fliesenkleber in Ihrem individuellen Fall verwenden sollten, ist vor allem von der Größe der zu behandelnden Fläche abhängig. Während der Einsatz von Hammer und Meißel also auf 1 – 2 Quadratmetern Fläche noch Sinn macht, würde das in einem großen Wohnzimmer wohl viele Tage Arbeit kosten.

Dementsprechend einfacher funktioniert das Ganze mit einem Bohrhammer. Zwar ist auch das diese Methode ziemlich aufwendig, allerdings geht das doch wesentlich einfacher von der Hand, sodass Sie auf diese Weise auch einen größeren Bereich abarbeiten können.

Sie sehen also je größer der Bereich, desto leistungsstark sollte dementsprechend auch das Hilfsmittel sein. Für größere Flächen eignet sich daher eigentlich nur eine Flex, eine Schleifmaschine bzw. sogar ein großer Bodenschleifer (jeweils mit Diamantfrässcheibe).

Die Arbeitsbelastung sollte dabei keinesfalls vernachlässigt werden. Eine Bodenschleifmaschine, die sich bequem im stehen betätigen lässt, ist bei den vielen Arbeitsstunden wesentlich angenehmer als das stundenlange Schleifen auf den Knien mit einer kleinen Flex. Die Arbeitsdauer genau zu bestimmen ist leider nur schwer möglich, da dies von vielen kleinen individuellen Faktoren abhängt. Grob überschlagen können Sie mit etwa 5 Stunden Arbeit für eine Fläche von 15 m² rechnen.

Welche Kosten kommen bei der Leihe der Maschinen auf Sie zu?

Ab einer gewissen Raumgröße erleichtern professionelle Geräte wie etwa ein Bodenschleifer, bei dem Sie aufrecht stehend arbeiten können, das Entfernen von Fliesenkleber enorm. Viele Verleiher bieten natürlich exakt für diesen Zweck abgestimmte Geräte an, die direkt mit einer passenden Schleifscheibe und praktischen Staubsauger-Aufsatz angeboten werden.

In diesem Fall sind im Preis die Kosten für die Schleifmaschine + Schleifscheibe, Staubbeutel, geeignetem Staubsauger und der geschätzte Verschleiß mit eingerechnet. Grob gesagt können Sie hier mit etwa 250 € (Brutto) für eine Fläche von ca. 50 m3 rechnen. Wie viel Geld eine Leihe kosten kann, ist allerdings auch wesentlich von Ihrem Wohnort abhängig.


Wichtig: Zusätzlich zu dem richtigen Werkzeug sollten Sie unbedingt auch auf eine angemessene Schutzkleidung achten. Das Entfernen von Fliesenkleber ist nämlich ziemlich arbeitsintensiv und verursacht viel Staub. Daher ist es sinnvoll, währenddessen eine Schutzbrille, Arbeitshandschuhe und bei Bedarf auch Knieschoner zu tragen.

Besonders wichtig ist allerdings das Tragen einer professionellen Atemmaske*/Staubmaske! Das gilt besonders in Altbauten, da hier eventuell Asbest freigesetzt wird. In Deutschland wurde der Einsatz von Asbest in Baustoffen wie Putz und Fliesenkleber erst 1993 untersagt. Zwar sind die genauen gesundheitlichen Auswirkungen mangels gründlicher Untersuchungen (Infolink) nicht ganz bekannt, allerdings können Sie sich mit einer Atemmaske gut schützen.


Vorgehensweise bei der Beseitigung von Fliesenkleber

Fliesen Reperaturkit

Sobald Sie das Werkzeug Ihrer Wahl in den Händen halten, kann es nun losgehen:

  1. Schließen Sie unbedingt alle Türen zu benachbarten Räumen!

  2. Da bei der Arbeit viel Staub freigesetzt wird, sollten alle größeren Spalten und Fugen z. B. entlang der Bodenleisten oder an Schränken mit Malerkrepp angeklebt werden. Auch Steckdosen und andere Anschlüsse müssen mit Folien bzw. Klebeband abgelebt werden, damit keine Schäden durch den feinen Staub entstehen.

  3. Nachdem nun die problematischen Stellen im Zimmer gesichert sind, sollten Sie sich jetzt um Ihren eigenen Schutz kümmern. Dazu gehört definitiv eine lange Arbeitskleidung, eine Schutzbrille zum Schutz vor den umherfliegenden Kleinteilen und eine Atemmaske gegen den entstehenden Staub. Sollten Sie mit kleinen Maschinen bzw. mit Hammer und Meißel auf dem Boden arbeiten, sind Knieschoner definitiv eine gute Ergänzung.

  4. Um sich die Arbeit zu erleichtern, können Sie zuallererst mit einem Spachtel die stark abstehenden Rückstände abschaben und die Fläche so vorbereiten. Achten Sie vor allem darauf, dass sich keine kleinen Überreste von abgeschlagenen Fliesen mehr an der Wand oder auf dem Estrich befinden. Bei der Arbeit mit einer Schleifmaschine oder Flex können diese Kleinteile nämlich schnell zu gefährlichen Geschossen werden!

  5. Arbeit mit Fräse bzw. Schleifmaschine: Nachdem die passende Diamantschleifscheibe angebracht ist, setzen Sie die Fräse gerade an der Oberfläche auf. Mit langsamen kreisförmigen Bewegungen werden die Reste des Fliesenklebers nach und nach abgeschliffen. Üben Sie dabei nur so viel Druck aus wie nötig.

    An Rändern ist besondere Vorsicht geboten, um keine unnötigen Schäden an den Übergängen zu verursachen. Ggf. lohnt sich auch der Einsatz einer kleineren Fräse dafür. Für größere Bereiche empfehle ich, sich bei einem Maschinenverleiher bzw. Baumarkt einen Bodenschleifer auszuleihen, um die Arbeiten nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

    Arbeit mit Hammer und Meißel: Setzten den Meißel schräg an den Ansatz der Kleberrückstände an und schlagen vorsichtig mit dem Hammer auf den Griff des Meißels. Alternativ kann auch ein Bohrhammer mit Meißelaufsatz vorsichtig und auf niedriger Stufe benutzt werden.

    Vermeiden Sie ohne schrägen Winkel zu arbeiten, da ansonsten Schäden im darunter liegenden Estrich bzw. Untergrund entstehen könnten. Wie viel Kraft Sie in die Schläge legen müssen, hängt davon ab, wie hartnäckig die Rückstände des Fliesenklebers sind. Sie werden allerdings relativ schnell ein Gefühl dafür entwickeln.

  6. Saugen Sie den Raum gut ab, sobald Sie mit der Arbeit fertig sind. Im Anschluss wird die jeweilige Oberfläche auf Schäden untersucht. Kleine Schäden lassen sich mithilfe von Auffüllmasse beheben. Bei größeren Schäden müssen Sie den Bereich allerdings neu verputzen. Im Fall von starken Unebenheiten ist der Einsatz einer selbstnivellierenden Ausgleichsmasse zum Bodenausgleich oder auch das Abschleifen des Bodens eine Option.

Übrigens: Wenn Sie neue Fliesen erwerben wollen, lesen Sie in diesem Beitrag, wie die optimale Fliesenmenge und der zusätzlich benötigte Verschnitt kalkuliert wird:


Fliesenkleber von der Fliesenrückseite entfernen

Reinigungsutensilien

Falls Sie die zuvor abgelösten Fliesen wiederverwenden wollen, müssen sämtliche Kleberreste von der Rückseite abgelöst werden. Wenn Rückstände haften bleiben, kann das leider zu vielen Problemen führen. Zum einen entsteht eine schiefe Optik, die auch zu Stabilitätsproblemen führt. Zum anderen verhindern seitliche Rückstände ein korrektes verfugen, sodass zukünftig Wasser durch die Fugen sickern kann.

Um alle Reste des Fliesenklebers von der Rückseite einer Fliese loszuwerden, wird der Einsatz von Spachtel und Hammer empfohlen. Sobald die Fliese fest fixiert ist, können Sie mit vorsichtigen Schlägen den Kleber Stück für Stück abschlagen. Hartnäckige Rückstände werden mit einer Flex angegangen, allerdings müssen Sie dabei äußerst behutsam vorgehen!

Nur in besonderen Ausnahmefällen, und wenn das Entfernen schlichtweg unmöglich ist, können Sie die Fliesen auch samt den Kleberresten verlegen. Dafür müssen Sie dann allerdings ein exakt passendes Dickbett anfertigen. Es sollte dementsprechend genau um die Erhebung der Kleberreste höher sein, damit die Fliesen sicher an ihrem neuen Ort halten.


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