Fliesen – Anhydritestrich oder Zementestrich?

Damit Fliesen problemlos verlegt werden können, muss zuvor ein geeigneter Unterboden vorhanden sein. Um einen Boden zu ebnen und auf das Belegen vorzubereiten, wird sogenannter Estrich verlegt.

Im Laufe der Jahre sind allerdings viele verschiedene Estrich-Arten entstanden, wobei Bauherren besonders gerne auf Zementestrich und Anhydritestrich zurückgreifen. Dies wirft natürlich die Frage auf, welche der beiden Optionen sich letztendlich am besten für einen späteren Fliesenbelag eignet?

Zementestrich vs. Anhdydritestrich – Vergleich

Ob Sie im Zusammenhang mit Fliesen eher zu Anhydritestrich (auch Calciumsulfatestrich genannt) oder Zementestrich greifen sollten, hängt davon ab, wie der Raum später genutzt wird und welchen Anforderungen er genügen muss. Beide Optionen haben nämlich einige Plus- und Minuspunkte, welche ihre Eignung für bestimmte Vorhaben definieren.

Der folgenden kompakten Tabelle können Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen Zement- und Anhydritestrich entnehmen:

ZementestrichAnhydritestrich
Kostenetwas höheretwas niedriger
Trockenzeit21 – 30 Tage7 Tage
Feuchtigkeitsresistenzunempfindlichanfällig für Feuchtigkeit
Belastbarkeithöhergeringer
Außenbereichgeeignetungeeignet

Vor- und Nachteile von Zementestrich

Zementestrich sollte vielen ein Begriff sein, schließlich handelt es sich hierbei um die wohl verbreitetste Estrichart im deutschsprachigen Raum. Diesen Stellenwert hat sich der Zementestrich vor allem wegen seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten verdient.

Er ist nämlich unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und kann daher ohne Weiteres nicht nur in Räumen mit einer hohen Feuchtigkeitsbelastung (z. B. Bad, Keller), sondern auch im Außenbereich eingesetzt werden. Dank seiner guten Festigkeitswerte kommt Zementestrich auch mit schweren Belastungen gut klar und ist daher auch sehr langlebig.

Wer mit einem Zementestrich plant, muss allerdings etwas Geduld mitbringen. Der Boden ist nämlich (abhängig von den Gegebenheiten) oft erst nach etwa 30 Tagen soweit getrocknet, dass der Fliesenbelag verlegt werden kann.

Während der Verlegung und der langen Trocknungsphase ist ein Zementestrich auch sehr empfindlich gegenüber Kälte. In der ersten Woche sollte die Temperatur von 5 °C auf keinen Fall unterschritten werden, da die Oberfläche sich sonst sehr schnell verzieht und auf diese Weise evtl. Risse entstehen können. Auch Zugluft und extreme Wärme sollten in dieser Zeit möglichst vermieden werden, um keinerlei Folgeschäden zu provozieren.


Exkurs: Nachdem der Estrich getrocknet ist, geht es mit dem Verlegen der Fliesen weiter. Dabei ist es wichtig, eine möglichst genaue Anzahl an Fliesen und der dazugehörigen Verschnittmenge zu kaufen. Wie Sie das ganz einfach selbst berechnen können, erfahren Sie in folgendem Beitrag:


Vor- und Nachteile von Anhydritestrich

Couchecke mit hellen Fliesen und Teppichboden

Der größte Vorteil von Anhydritestrich ist, dass er lediglich etwa 7 Tage zum Trocknen benötigt. Im Vergleich zu einem Zementestrich spart man sich also sehr viel Zeit, was besonders für Projekte, die unter Zeitdruck stehen, sehr praktisch ist.

Weitere Vorteile sind die niedriger ausfallenden Kosten und eine höhere Zug- und Biegefestigkeit, was die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Rissen bei der Trocknung minimiert. Die Verteilung ist zudem wegen der flüssigen Konsistenz unkompliziert und der Estrich ist selbstnivilierend, d. h. es entstehen auch ohne Glättung der Oberfläche keine Unebenheiten.

Der größte Nachteil von Anhydritestrich ist eindeutig die Feuchtigkeitsempfindlichkeit des Materials. Das Bindemittel Anhydrit reagiert nämlich bei Kontakt mit Flüssigkeit und wird zu Gips.

Aufgrund dessen wird der Estrich brüchig und rissig und letztendlich unbrauchbar. Daher ist dieser Estrich absolut nicht für den Außenbereich geeignet und muss auch bei der Verwendung im Badezimmer oder im Keller zuvor abgedichtet werden.

Außerdem muss ein Anhydritestrich vor dem Verlegen von Fliesen erst abgeschliffen werden. Dabei wir die problematische Sinterschicht entfernt, damit die Grundierung bzw. der Fliesenkleber an der Oberfläche haften können.

Auch die Belastbarkeit von Anhydritestrich fällt im Vergleich zu Zementestrich geringer aus. Sollten Sie also in den Räumlichkeiten viele sehr schwere Schränke oder andere Objekte stellen wollen, ist dieser Estrich nicht die beste Wahl.

Welche Estrichart bei einer Fußbodenheizung?

Essbereich mit hellem Fliesenmuster

Damit die Fußbodenheizung optimal funktionieren kann, ist eine direkte Ummantelung der Heizrohre durch den Estrich von Nöten. Dies kann nur durch einen Flüssigestrich wie Zement- oder Anhydritestrich erreicht werden. Die Einbettung der Rohre ist eine zwingende Voraussetzung für einen effektiven Heizvorgang auf einem Fliesenboden.

Grundsätzlich sind also beide Estricharten für eine Fußbodenheizung geeignet. Jedoch hat der Anhydritestrich hier gewisse Vorteile. Aufgrund seiner Zusammensetzung bietet er etwas bessere Wärmespeicher- und Wärmeleitfähigkeiten.

Außerdem erfolgt bei einem Anhydritestrich (Calciumsulfatestrich) der Heizvorgang schneller, da der optimale Wärmewert des Materials schneller und somit effizienter erreicht werden kann.

Bei der gemeinsamen Verlegung mit einer Fußbodenheizung müssen einem Zementestrich meist zusätzlich noch Glasfasern beigemischt werden. Dieser Zusatz verhindert die Bildung von größeren Zementkristallen und erhöht so die Elastizität des Zementestrichs, die er im Zusammenhang mit einer Fußbodenheizung unbedingt benötigt. Allerdings erreicht er auch dadurch nicht dieselben Optimalwerte wie ein Anhydritestrich.

Fazit – Welchen Estrich ist besser?

Eine pauschale Aussage zu treffen, ist bei diesem Thema leider nicht möglich. Ob Anhydritestrich oder Zementestrich die bessere Wahl sind, ist abhängig davon, an welchem Ort der Estrich eingesetzt wird und welch starker Belastung er dort ausgesetzt sein wird. Wägen Sie die Vor- und Nachteile anhand der obigen Tabelle ab und fragen Sie jederzeit einen Experten um Rat, falls Sie unentschlossen sein sollten.


*Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel Affiliate-Links enthält. Damit unterstützen Sie lediglich diese Website und helfen zukünftige Artikel zu ermöglichen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top