So breit sollten Ihre Fugen sein!

Fugen erfüllen nicht nur optische Zwecke, sondern werden vor allem aus 3 ganz praktischen Gründen benötigt. Sie gleichen produktionsbedingte Maßtoleranzen der Fliesen aus, sie verbinden die Fliesen untereinander und sorgen so für eine gleichmäßige Spannungsverteilung und sie verhindern das Eintreten von Schmutz und Feuchtigkeit zwischen den einzelnen Fliesen.

Damit all diese Funktionen erfüllt werden, müssen Fugen ausreichend breit sein. Aufgrund der vielfältigen Auswahl an Fliesen gibt es keinen allgemeingültigen Grundsatz, wie groß eine “normale” Fuge sein muss. Stattdessen ist die Fugenbreite abhängig von dem Fliesentyp und der Größe der Fliese.

Davon hängt die Fugenbreite ab

Der erste wesentliche Faktor bei der Ermittlung der passenden Fugenbreite ist die Herstellungsart der Fliesen. Konkret geht es hier um die Frage, ob es sich um kalibrierte bzw. rektifizierte Fliesen handelt oder nicht.

Solche rektifizierte (durch eine Diamantsäge genau begradigt) und kalibrierte Fliesen (vor dem Brennen in eine passgenaue Form gepresst) werden exakt an eine bestimmte Form angepasst, wodurch es keine Größenunterschiede zwischen den Fliesen gibt. Aufgrund dessen kann bei diesen Fliesen immer mit einer Schmaleren ca. 1,5 – 3 mm breiten Fuge gearbeitet werden.

Nicht kalibrierte oder rektifizierte Fliesen müssen hingegen mit größeren Fugen verlegt werden, da diese dementsprechend auch ggf. starke Toleranzen ausgleichen müssen. Dabei richtet sich die Breite einer Fuge nach der Kantenlänge einer Fliese und richtet sich nach der Norm DIN 18352 & DIN 18202.

Da solche Richtlinien jedoch üblicherweise nicht immer mit dem Tempo der Hersteller mithalten, sind sie meist nicht auf den neusten Stand der Dinge ausgelegt. Besonders hervorzuheben ist hier der Trend der großen Fliesen mit möglichst schmalen Fugen. Die Verlegevorschriften, VOB/C und DIN 18517 haben nämlich keine festgelegten Regeln für Fliesen mit einer Kantenlänge von über 30 cm. Meistens schreiben die Fliesenhersteller daher zusätzliche Hinweise zur Fugenbreite auf die Verpackung bzw. in die Anleitung.

Je nach Fliesentyp sollten Sie sich bei der Planung der Fugenbreite an folgenden Maßangaben orientieren:

Keramikfliesen bis 10 cm Seitenlänge
(trockengepresst)
1,5 – 2 mm
Keramikfliesen 10 – 20 cm Seitenlänge
(trockengepresst)
3 mm
Keramikfliesen 20 – 60 cm Seitenlänge
(trockengepresst)
4 – 6 mm
Natursteinfliesen 2 – 3 mm
Bodenklinkerplatten 8 – 15 mm
stranggepresste keramische Fliesen bis 30 cm4 – 10 mm
stranggepresste keramische Fliesen bis 30 cmmind. 10 mm
Wandfliesen 1,5 – 3 mm
Weitere genaue Werte der DIN Verordnungen finden Sie hier.

Hinweis: Für Fliesenleger gibt es bei Fugen oft einen vertraglich geregelten Toleranzbereich von etwa +/- 1 mm. Abweichungen hiervon müssten ggf. zuvor verhandelt werden.


weiße Fliesen Schatten

Fugenbreite bei großformatigen Fliesen

Gerade bei dem im Trend liegenden großen Fliesen wirken die Fugen in Werbeanzeigen immer äußerst schmal und fast schon unsichtbar. Das fördert natürlich das Verlangen der Kunden nach möglichst schmalen Fugen, die die Optik der Fliesen möglichst nicht stören sollen.

Viele vergessen dabei allerdings, dass die Fugen auch bei großen Fliesen ihre Aufgaben erfüllen müssen und daher normalerweise größer ausfallen müssten. Um hier mit schmalen Fugen arbeiten zu können, sollten Sie also zu kalibrierten oder rektifizierten Fliesen greifen. Bedenken Sie dabei allerdings die Höhentoleranzen! Je geringer der Fugenabstand, desto mehr fallen “Überzähne” (Höhenunterschiede) wegen möglicher Unebenheiten auf dem Verlegeuntergrund auf.

Fugengröße für Natursteinfliesen

Das die Fugen bei Fliesen aus Naturstein schmaler ausfallen, hat einen ganz praktischen Grund. Feuchtigkeit zieht bei Natursteinfliesen wesentlich schneller ein! Da Fugenmasse natürlich einen nicht unerheblichen Anteil davon besitzt, müssen diese Fugen schnell trocknen, damit keine Feuchtigkeit in die Natursteinfliesen eindringen kann. Daher eignen sich dafür nur Fugen, die etwa 2 – 3 mm breit sind.

Fugen für Fliesen im Außenbereich

Bitte beachten Sie, dass für Fugen im Außenbereich lieber 1 – 3 Millimeter zusätzlich auf die oben genannten Werte addiert werden sollten. Durch die starken Temperaturschwankungen (Hitzewellen im Sommer, starker Frost im Winter) haben die Fliesen oft einen erhöhten Bewegungsspielraum, der entsprechend ausgeglichen werden muss. Auf keinen Fall sollten hier die Fugen schmaler als 5 – 6 mm ausfallen!


Exkurs: Können Fliesen eigentlich auch ohne Fugen verlegt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich folgender Beitrag auf unserer Seite.


Wie dick sollten Silikonfugen sein?

Badezimmer Wasser

Da Fliesen sich durch Temperaturänderungen leicht zusammenziehen und ausdehnen, werden Dehnungsfugen an den Übergängen zwischen Wand und Boden, zu Sanitärobjekten und zu anderen Bodenbelägen angebracht, damit an den Kanten keine Schäden bzw. Risse entstehen.

Dehnungsfugen müssen daher aus einem elastischen Material bestehen, dafür wird z. B. Silikon verwendet. Auch hier orientiert sich die Breite der Silikonfuge an dem Format der Fliesen, sollte aber keinesfalls 5 mm unterschreiten! Damit die Dehnungsfuge auch ihren Job erledigen kann, empfehle ich, diese in der Breite von 5 – 8 mm einzuplanen. Letztendlich sollte eine Dehnungsfuge natürlich auch von der Größe her in etwa zu den restlichen Fugen passen und nicht negativ auffallen.


*Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel Affiliate-Links enthält. Damit unterstützen Sie lediglich diese Website und helfen zukünftige Artikel zu ermöglichen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top